Beim Web 2.0 wird das Internet zunehmend von den Nutzern selbst gestaltet und beseelt. Das am weitesten gewachsene Phänomen des neuen Netzes sind die Weblogs, kurz Blogs genannt. Fast 29 Millionen dieser Online-Journale kennt inzwischen die Spezial-Suchmaschine Technorati und jeden Tag kommen tausende neue hinzu. Man muß nicht mehr nur Konsument vorgefertigter Inhalte sein, sondern kann unentwegt neue schaffen - ob durch Weblogs, Fotos in Online-Alben, gemeinsam geschriebenen Artikeln in Enzyklopädien wie Wikipedia oder einfach durch den gegenseitigen Austausch interessanter Links in Diensten wie del.icio.us oder Furl. Zudem laufen Programme im Internetbrowser dank neuer Software-Werkzeuge und schnellerer Leitungen fast so reibungslos wie von der Festplatte. Damit erobert eine neue Qualität von Angeboten das Internet. Webseiten sehen aus wie herkömmliche PC-Software, Bewährtes wird mit Neuem verknüpft und Inhalte werden von allen verbessert.
Hinter vielen dieser Anwendungen steckt eine Technologie namens Ajax (Asynchronous Java-Script and XML). Die Anzeige einer Website kann also verändert werden, ohne dass die ganze Seite neu geladen werden muss. So können Zusatzinformationen eingeblendet werden oder aber die gerade neu eingetroffene Mail wird angezeigt, ohne dass der Anwender die Seite neu geladen hat.
Hinzu kommt, daß mit dem Einzug von Web 2.0-Anwendungen auch immer mehr Schnittstellen zur Verfügung stehen, um selbst aktiv zu werden: Dienste miteinander zu verknüpfen und weiterzuentwickeln ist mit so genannten APIs (Application Programming Interface) möglich. Vorreiter hierfür war wiederum Google. Viele Anwendungen nutzen die
von Google zur Verfügung gestellte Schnittstelle für Kartenanwendungen, um ihre eigenen Programme mit lokalisierten Daten zu versorgen: Ein Immobilienmakler kann beispielsweise die Lage seiner aktuellen Angebote in einer Karte anzeigen, ein Flughafen die Parkplätze in der Umgebung.
Die Stärken der neuen Technologien zeigen sich in den Auswirkungen außerhalb des Netzes. Wer sie einzusetzen weiß, sieht im Idealfall die Resultate an seinem Arbeitsplatz, im Auftragsbuch, auf dem Kontoauszug – oder im Bekanntenkreis. Schließlich geht es um eine Humanisierung des Netzes.